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Seltene Traubensorten

Traubensorten gehen um die Welt, treffen auf ein Barrique, und das Ergebnis ist ein süsser kleiner Wein, der der allgemeinen Globalisierung jede Ehre macht. Dass es auch anders geht, zeigen jene Winzer, die mit ungewöhnlicheren und bodenverhafteten Produkten immer mehr Aufmerksamkeit für sich beanspruchen.

Spricht man von „seltenen“ Traubensorten, so muss man sich zuerst der ungeheuren Menge von Variationen bewusst sein, die diese Spezies hervorgebracht hat. Viele Weinliebhaber sind sich dieser Vielfalt wenig bewusst und begnügen sich mit dem, was sie schon kennen. Die Werbung tut das ihre, und diese Beschränkung (oder Beschränktheit) hat viele interessante Sorten an den Rand ihrer Existenz gebracht.

Die Trinkgewohnheiten haben sich geändert. Der Wein ist aus den Höhen der besseren Lebensart heruntergekommen und zu einem Konsumartikel geworden. (Man erinnere sich der Sorgfalt des Kellners, mit der früher die Burgunder vor den Gästen zu Tode dekantiert wurden.) Diese Chardonnays und Cabernets aus Übersee kamen dem Bedürfnis nach guten und nicht allzu teuren Weinen entgegen, und die geheizten Keller moderner Neubauten riefen nach früh trinkreifen Weinen. Zudem waren Alternativen zu den etablierten Weinen gefragt, deren grosse Namen manchmal den grössten Teil des saftigen Kaufpreises ausmachten.

Mitte der siebziger Jahre verlangte der Markt nach trockenen Weissweinen. Amerika und Australien lieferten prompt, der Nachfrage folgte das Angebot, und die Weine mit ihrem üppigen Vanille erhielten gute Noten von Jurys und Käufern. Die europäischen Weinmacher haben dem nicht tatenlos zugesehen: waren diese „Neuen“ zuerst mehr oder weniger Imitate grosser Weine der alten Welt, sind sie mittlerweile zu etwas Eigenem geworden, dessen Erfolgsrezept, Traubensorten und starker Barriqueausbau, in Europa aufgenommen wurde. Das Ergebnis sind „internationale“ Weine, die weniger Ausdruck einer individuellen Idee zu sein scheinen als vielmehr der Bemühung, sich der Norm zu beugen.

Die Zunahme internationaler Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Chardonnay drängt in den traditionellen Weinländern die regionalen Sorten zurück. Vor allem die Bedeutung, die der Traubensorte noch vor der Herkunft des Weines zugemessen wird, macht die Lage weniger bekannter Sorten ungemütlich. Nun wollen wir weder Minderheitenschutz betreiben noch politisch korrekt sein: die Menge muss nichts über die Qualität aussagen. Die obengenannten Sorten gehören zu den besten überhaupt und können in jedem Fall sehr gute und charakterstarke Weine erbringen.

Mittlerweile haben diese geschmeidigen „Internationalen“ den Geschmack vieler Konsumenten geprägt, wenn auch nicht unempfänglich gemacht für anderes. Aber der Markt für dafür ist stabil, kleine Produzenten halten dem wachsenden Konkurrenzdruck nicht stand, weshalb man sich dort auf die eigenen Stärken besinnt hat: Originalität statt Menge, Betonung der Eigenschaften von Boden und Trauben und die Personalisierung des Produkts. Das Thema Traubensorten ist so schnell nicht auszuschöpfen, und welche Sorten überleben werden ist abhängig von den Konsumenten und der Risikobereitschaft von Produzenten und Händlern. Die Vielfalt der Möglichkeit macht die Beschäftigung mit Wein erst reizvoll, und wir sollten soviel möglich zu ihrer Erhaltung beitragen.