Es ist noch nicht lange her, als Reben nur auf jenem Boden gepflanzt wurden, der für Getreide nichts taugte. Brot vor Wein, war die Devise, das Volk wollte zu essen haben. Heute ist der Wein vielerorts ein wichtiger Broterwerb, ein Bestandteil des täglichen Lebens, und die Traube hat schon vor Jahrhunderten ihren Weg in die Ornamentik alter Kirchen gefunden.
Die Rebe hat viele Regionen erst zu dem gemacht, was sie heute sind, und ein Bordelais ohne seine Weinstöcke scheint uns schwer vorstellbar. Sie ist eine Charakterpflanze mit grosser gestalterischer Kraft, und sie besitzt einen starken Überlebenswillen. Deshalb ist kein gewachsenes Produkt eine solche Essenz einer Region wie der Wein, ein Ausdruck manchmal nur eines dünnen Streifens Erde, in dem die richtigen Elemente zusammengefunden haben. Und doch zeichnet er ein getreues Bild einer ganzen Kulturlandschaft.
